Wer wir sind

Mit rund 100 Gästen aus Kiel und Umland hat sich am 24. Januar der Kieler Ernährungsrat gegründet.

Doris Grondke, Stadträtin für Stadtentwicklung und Umwelt hatte in ihrem Grußwort diese Initiative begrüsst und die Bereitschaft der Stadt zugesichert, die Arbeit des Ernährungsrates wohlwollend zu begleiten. Dr. Wilfried Bommert, Landwirtschaftsexperte hatte in seinem Vortrag den großen Bogen geschlagen: Von der Krise des globalen Ernährungssystems bis auf den Kieler Teller. Ernährung, so sein Fazit, ist hoch politisch.

Was die Themen sein könnten, die der Ernährungsrat bearbeiten könnte, machten die vielen Karten deutlich, auf denen die TeilnehmerInnen der Veranstaltung ihre Anregungen niedergeschrieben hatten: Kiel kann und soll sich künftig stärker regional ernähren, Schulen, Kindergärten, Kantinen in diese Entwicklung einbezogen werden, wir alle müssen dazulernen und Ernährung ist eine Schlüsselkompetenz, die in Schulen, Kindergärten und in der Bildungsarbeit noch intensiver bearbeitet und vermittelt werden muss.

In der Diskussion kamen vielen spannende Vorschläge auf, wie Stadt und Land besser vernetzt werden könnte, wie man die Landwirtschaft und vor allem die kleinen produzierenden Betriebe unterstützen könnte, damit uns allen die Ernährungswende gelingt. Die Bereitschaft der Zivilgesellschaft, mit denen die für die Städte die Lebensmittel erzeugen zusammenzuarbeiten ist groß.

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Christine Ax

Wissenschaftlerin und Autorin, Urgestein der Nachhaltigkeitsbewegung

„Ich engagiere mit für den Ernährungsrat Kiel, weil kein anderes Thema uns allen so nahe geht und weil nichts so nahe liegt, wie die das Thema Ernährung. Die langfristige Sicherung der Bodenfruchtbarkeit, der Artenvielfalt, des Grundwassers und des Ökosystems Meer und der Klimaschutz, erfordern unser Engagement als BürgerInnen und als Konsumentinnen. Es liegt in unserer Hand, ob unsere Kinder und Kindeskinder noch gut Leben können und ob wir die Fülle und die Schönheit von Natur und Landschaft erhalten können.

Viele Menschen und viele Bürgerinnen ist das inzwischen bewusst. Und viele engagieren sich schon heute. Die Ernährungsrat-Bewegung in Deutschland und weltweit kann dazu beitragen, dass wir gemeinsam unsere Ziele erreichen.“

ax [at] christineax.de

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Marie Delaperrière

Gründerin und Inhaberin von Unverpackt Kiel und Vorstand der Zero Waste Kiel e.V.

„Teil des Ernährungsrates Kiels zu sein bedeutet für mich den Konsumenten/ Bürgern näher zu bringen, dass durch sein Konsumverhalten eine nachhaltige Erhaltung die Wertvollen Ressourcen (Menschen und natürliche) die wir sowohl in der Region, als auch in unserer Welt haben, realisierbar ist. Bewusst konsumieren kann im Teller anfangen, mit der Hinterfragung der Herkunft und Qualität unserer Lebensmittel aber auch im Alltag durch unsere Mobilität oder allgemeine Haushaltsbeschaffung.

Mit einem Ernährungsrat in Kiel sehe ich die Möglichkeit auf allen Ebenen diese Themen anzustoßen aber auch diese umsetzbar zu machen. Diese Überzeugung kommt auch wegen der Vielfalt, in der Initiative der Mitwirkenden (Bauer, Umweltsamt, Ökonom, Einzelhandel , Ökotrophologe, Vereine… ) und ich lade alle ein mitzuwirken!“

unverpackt [at] online.de

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Nicoline Henkel

Dipl. oec.troph., Umweltberaterin der Landeshauptstadt Kiel

„Ich verspreche mir von einem Ernährungsrat in Kiel positive gesundheitliche Auswirkungen für die Bevölkerung durch mehr Diskussion und ganzheitliche Aufklärung in der Gesellschaft, die schon in Schulen und Kindergärten beginnt, was man essen sollte, wie man gesunde Lebensmittel erkennt und wo man sie bekommen kann.

Denn vielen ist nicht klar, dass unser Körper für jede Zelle neben Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten jeden Tag wieder Vitalstoffe braucht, um auf Dauer gesund zu bleiben und dass natürliche Lebenselixiere sich reichlich in frischen, lebendigen Lebensmitteln befinden, aber kaum in Industrienahrung.“

nicoline.henkel [at] kiel.de

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Nele Markwardt

Gründerin der Marktschwärmer Kiel

"Ein Kieler Ernährungsrat ist eine besondere Möglichkeit, als Bewohner der Stadt Verantwortung zu übernehmen. Als Verbraucher können wir mit unserem Einkaufsverhalten Zeichen setzen, die ernsthafte, positive Folgen haben können. Und wir können versuchen, die Strukturen, die es in unserer Umgebung gibt, sinnvoll zu nutzen. Dafür ist es besonders wichtig, dass die vielen kleinen Höfe, Projekte und Veranstalter sich vernetzen und gemeinsam an einem Ziel arbeiten, gemeinsame Strukturen nutzen.

Mein Ziel ist es, uns Stadtbewohnern einfache Möglichkeiten zu schaffen, um über regionale Produkte Informationen zu erhalten und sie ohne Mehraufwand stadtnah zu beziehen. Dafür steht der Ernährungsrat für mich."

nele.markwardt [at] googlemail.com

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Patricia Pitzschel

Gründerin und Geschäftsführerin Kiel

„Gesellschaftliche Verantwortung“ : Seit 35 Jahren produziert die Bäckerei Brotgarten Backwaren, die ohne Chemie hergestellt werden. Bereits beginnend bei der Auswahl des Saatgutes und dem anschließenden BIOLAND-Anbau bis hin zum fertigen Brot, verarbeiten wir nur die Rohstoffe, die nötig sind, um schmackhafte und nachhaltig produzierte Backwaren herzustellen.

Ein ausgewogener Umgang mit Boden, Wasser, Luft und fossilen Energien ist unsere gesellschaftliche Verantwortung gegenüber bestehender und folgenden Generationen. Dieser müssen wir uns stellen. Wir müssen lernen zu bewahren statt zu verschwenden. Wir müssen achtsam auf das schauen, was wir essen wollen und was wir dafür tun können. Der Ernährungsrat Kiel kann Hilfestellung und Rat geben auf der Suche nach gesunden Lebensmitteln.

pitzschel [at] brotgarten-kiel.de

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Anja Rolf

SoLaWi Schinkeler Höfe und Unverpackt-Laden Eckernförde (in Planung)

„Im Herbst 2015 haben wir die Solidarische Landwirtschaft Schinkeler Höfe gegründet und unterstützen mit aktuell 131 Ernteanteilen bzw. 260 bis 300 Personen vier kleine Bioland-Höfe mit monatlichen Mitgliedsbeiträgen. Diese festen Finanzierungszusagen sichern das Wirtschaften der ErzeugerInnen ab.

Als Lohn erhalten wir von den Höfen wöchentlich Gemüse, Milchprodukte, Getreide, Brot, Eier und monatlich Fleisch. Und da ist auch im Winter und Frühjahr der Tisch reichlich gedeckt! Klar, Kohl gibt es viel(fältig): Wirsing-, Rosen-, Spitz-, China-, Weiß-, Rot-, Grün- und Schwarzkohl. Aber dazu gibt es Kartoffeln, Zwiebeln, Möhren, Feldsalat und reihum Asia-Salat, Eichblattsalat, Endiviensalat, Kohlrabi, Kürbis, Mangold, Pastinaken, Porree, Postelein, Rote Beete, Salatrauke, Schalotten, Schwarzrettich, Stauden- und Knollensellerie, Steckrüben, Radiccio, Winterkresse und Wurzelpetersilie. Im April läuten dann Radieschen und Rhabarber die bunte Salat- und Sommersaison ein.

Dazu bekommen wir Wochenbriefe mit aktuellen Berichten von den Höfen und sind dadurch eng mit unseren Landwirten verbunden. Sehr gerne nehme ich auch an den freiwilligen Jäte- und Ernte-Aktionen teil. Auf den kleinen Äckern zwischen den bunten Knicks sieht man vielfältige Ackerwildkräuter, viele verschiedene Insekten und Raupen, Wildbienen und Schmetterlinge und sogar Frösche und Kröten. Auf den Getreidefeldern nebenan blühen Kamille, Mohn und Kornblumen und man hört den Gesang der Feldlerchen.

So ist Landwirtschaft zukunftsfähig! Denn sie macht nicht nur uns, sondern auch die Insekten und Vögel satt, erhält die fruchtbaren Böden und schont das Grundwasser. Ich unterstütze den Kieler Ernährungsrat, weil wir mit regionaler Ernährung eine vielfältige Landschaft um uns herum schaffen und damit auch die Biodiversität erhalten können.“

anja.rolf [at] posteo.de

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Ernst Schuster

Vorstand der Nordbauern S-H und Senior der Obstquelle in Schwentinental

„Rationalisierte Produktionsverfahren und Kapitalkonzentration ermöglichen eine immer effizientere Produktion sowohl in der konventionellen als
auch in der BioLandwirtschaft. Befeuert wird dieser Prozess durch die Digitalisierung, die sich auch in der landwirtschaftlichen Produktion immer stärker durchsetzt. Durch flächengebundene Fördermaßnahmen der Europäischen Union wird die Wettbewerbssituation extrem zu den Großbetrieben hin verschoben. Für die bäuerliche Landwirtschaft wird die Situation immer schwieriger, da auch Regelvorgaben, Dokumentationspflichten und Zertifizierungsforderungen die Arbeitskraft binden und die Kostenkalkulation belasten.

Im Rahmen eines ‚Ernährungsrates in Kiel‘ wollen wir Nordbauern Schleswig-Holstein e.V., ein Zusammenschluss kleiner landwirtschaftlicher Betriebe, den Gedankenaustausch mit Konsumenten pflegen und Kosumenten als Partner für den Erhalt kleiner landwirtschaftlicher Betriebe gewinnen.“

ernst [at] obstquelle.de

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Andreas von der Heydt

Amtsleiter Umweltschutzamt der Landeshauptstadt Kiel

„Ich unterstütze die Gründung eines Ernährungsrates in Kiel sehr gerne, weil die Ernährung ein zentraler Anknüpfungspunkt für viele wichtige Belange ist, wie die regionale Versorgung, die nachhaltige Landwirtschaft, die Gesundheit, das Tierwohl etc. Zudem ist die Ernährung ein Thema, was uns alle angeht und so hoffe ich auf eine breite Resonanz.“

umweltschutzamt [at] kiel.de

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Ina Walenda

Promovierte Landwirtin und Geschäftsführerin der NaturFreunde S-H

„Wir sollten nicht länger essen, was uns Konzerne vorsetzen und dazu aus aller Welt heran gekarrt wird. Teure Werbekampagnen für ‚billigste‘, industrialisierte Lebensmittel sind mehr als Verbrauchertäuschung, nämlich Gift für unsere Gesundheit, die Umwelt und die Natur. Bio und regional müssen für Kiel und Umgebung Standard bei der Versorgung in der Gastronomie, in öffentlichen Kantinen und in Privathaushalten werden.

Ob und wann die Politik die nötigen Weichen stellt, damit ökologisch erzeugte Lebensmittel aus der näheren Region für alle und überall möglich werden, darauf möchte ich nicht länger warten müssen. Deshalb beteilige ich mich am Experiment ‚Ernährungsrat Kiel‘. Eine gesunde Ernährung mit Lebensmitteln aus der Region schmeckt, sorgt für eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft, schützt die Natur und wirkt dem Klimawandel entgegen. Wichtig ist mir, diese Zusammenhänge für alle sichtbar werden zu lassen.“

ina.walenda [at] naturfreunde-sh.de