Ernährungsrat diskutierte Aspekte der Regionalisierung

20. September 2018

Dienstag, 18. September tagte der Kieler Ernährungsrat im großen Saal der alten Landwirtschaftskammer. Als Gäste waren dabei: Daniela Sonders, Grüne/Bündnis 90 / Ratsfraktion Gesundheit und Sport, Max Dregelies, SPD Kiel , Umwelt, Verkehr, Wohnen, Ernst Schuster (Nordbauern) und Monika Friebel (Landesvereinigung Ökologischer Landbau SH und Hamburg e.V.)
Drei Themen wurden mit großem Engagement diskutiert.

Regionale Lebensmittel einfach zugänglich machen

Die Ausgangslage: Der Zugang zu regionalen Lebensmittel ist in Kiel nicht immer einfach. Die Wochenmärkte klagen über sinkende Besucherzahlen und Umsätze. Schon in der Vergangenheit wurde in Kiel über eine Markthalle diskutiert. Ist das ein Teil der Lösung des Problems? In der Diskussion wurde deutlich, dass alle sich einen stationären Wochenmarkt gut vorstellen könnten. Die Idee ist nicht neu. Aber es gibt viele ungeklärte Fragen und diese Entscheidung muss in einem größeren Zusammenhang zur Weiterentwicklung der Kieler Innenstadt und der Nahversorgung diskutiert werden. Einig waren sich die TeilnehmerInnen alle, dass es sowohl einen Planungs- als auch einen Handlungsbedarf gibt und dass es darum geht, Lösungen zu finden, die den Alltag und die Bedürfnisse möglichst vieler KielerInnen berücksichtigen. Das Thema soll auf jeden Fall weiter diskutiert und bearbeitet werden.

Gesunde Ernährung für Kitas und in Schulen

Erheblichen Gesprächsbedarf gab es auch in Sachen gesunder Ernährung von Kindergarten-Kindern und Schulen. Unklar blieb, ob der Ratsbeschluss, den Bio-Anteil an der Ernährung der Jüngsten und der Schüler aus den Jahren 2011 und 2013 deutlich zu erhöhen umgesetzt wird. Vor allem Nicoline Henkel und Eva Ratje, Mitglieder im Arbeitskreis "Schulen und Bildung" machten sehr deutlich, wie sehr ihnen das Thema gesunde Ernährung am Herzen liegt. Eva Ratje: "Zu Hause gebe ich mir sehr viel Mühe, meine Kinder gesund zu ernähren und lege großen Wert auf Bio-Produkte. Im Kindergarten und in den Schulen ist aber die Ernährung alles andere als gesund. Das muss besser werden".
Die Diskussion macht erneut klar, dass es für Schulen und Kitas nicht einfach ist, eine gesunde, regionale, bezahlbare und umweltfreundliche Ernährung der Kinder sicherzustellen. Es erforderte viel Engagement und Arbeit und Erfahrungen mit den Tücken der Auftragsvergabe und Ausschreibungen. Einige Schulen in Kiel gelinge es dennoch mit gutem Beispiel voranzugehen. Das RBZ wurde beispielsweise ebenso lobend erwähnt wie einige Kindergärten. Die Gesprächsteilnehmer wollen das Thema weiterverfolgen.

Wie wichtig ist "Bio", wie wichtig ist Regionalität

Ziel des Kieler Ernährungsrates ist es u.a. dass sich Kiel aus der eigenen Region dauerhaft und nachhaltig ernähren kann und dass Ernährungssouveränität gesichert ist. Das ist nur möglich, wenn die einerseits die Zusammenarbeit der Stadt (Handel, Kantinen, Restaurants, Märkte u.a.) mit den Produzenten in der Region gut funktioniert und andererseits, die Umwelt und die Böden intakt sind und bleiben. Resilienz (Krisensicherheit) und Nachhaltige Wirtschaftsweisen und Lebensweisen sind dafür erforderlich.

Was der Kieler Ernärhungsrat unter "regional" versteht, hatte seine Arbeitsgruppe "Regionalisierung" dahingehend definiert, dass wirklich "regional" nur Lebensmittel sind, die vollständig - einschließlich aller Zutaten - aus Schleswig-Holstein kommen. Ein Ziel, das derzeit noch nicht erreichbar wäre, aber das man durchaus anstreben könne.

Der Kieler Ernährungsrat stetzt sich daher für regionale, ökologische und faire Lebensmittel aus der Region ein. In diesem Zusammenhang immer wieder ein Diskussionspunkt ist die Frage, ob der Ernährungsrat von allen Produzenten verlangen sollte, dass sie ein Biosiegel haben oder anstreben und zertifiziert sind. Dieses Thema wurde - naturgemäss - sehr leidenschaftlich diskutiert. Monika Friebel von der Landesvereinigung Ökologischer Landbau SH und Hamburg e.V. warb für die zertifizierte biologische Landwirtschaft. Dieses System sei in den letzten 20 Jahren sorgfältig aufgebaut worden und habe viele Vorteile für alle: Die Natur, die Landwirte und die Konsumenten. Nachhaltigkeit sei nur mit "Bio" machbar. Ernst Schuster von den Nordbauern brach eine Lanze für die Bedeutung der kleineren Produzenten in Kiel und im Kieler Umland, die es nicht immer einfach hätten, aber für die Region und die Lebensmittelversorgung eine wichtige Rolle spielten. Ihre umfassende Förderung - von der Existenzgründung bis zur Vermarktung - sei ein wichtiger Beitrag für die Versorgung Kiels mit regionalen Produkten. Viele Konsumenten würden gerne bei ihnen kaufen, weil sie sie persönlich kennen und vertrauen.
Die Vertreterinnen der Kieler Verbraucherzentrale wiesen darauf hin, dass die Konsumenten - zumal wenn sie den Produzenten nicht persönlich kennen - gerne Gewissheiten und Sicherheiten hätten. Die Siegel seien daher vor allem im Handel und in Kantinen u.a. wichtig.